Der Rechner, den keiner ernst genug nimmt

Kevin Fiala #21, Alex Vlasic #73, Tyler Moy #95, IIHF World Championship 2025 USA -SUI Jyske Bank Boxen, Herning,  © Puckfans.at / Andreas Robanser | Quelle:

Einleitung

Bei den SCRJ Lakers ist die Versuchung gross, zuerst nach dem zu suchen, was im Vergleich zu den grossen Klubs fehlt. Genau das führt aber schnell in die falsche Richtung. Rapperswil hat in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass ein Team nicht zwingend auf jeder Position die prominentesten Namen benötigt, wenn Rollen, Torhüter und Spielidee zusammenpassen.

Die These lautet deshalb: Die Lakers leben weniger von maximaler individueller Qualität als von einem System, das seine Spieler in klaren Rollen besser macht. Wenn diese Ordnung hält und Victor Rask offensiv genügend Unterstützung erhält, kann Rapperswil erneut höher landen, als es der erste Blick auf den Kader erwarten lässt. Das ist jener unangenehme Typ Rechner, dessen Datenblatt niemanden erschreckt und der beim Benchmark trotzdem plötzlich vor dem teureren Gerät steht.

Prognose

Hockey-Nerd / Chef: Rang 10

ChatGPT / Assistent: Rang 7

Nerd: Rang 10.
ChatGPT: Rang 7.
Nerd: Du hast denselben Kader angeschaut wie ich?
ChatGPT: Ja.
Nerd: Gut.

Betriebssystem

FreeBSD

Die Lakers sind FreeBSD. Nicht das System, das im Elektronikmarkt auf der grössten Werbewand hängt, aber eines, bei dem die Leute, die es wirklich kennen, auffällig selten darüber lachen. Robust, effizient, sauber organisiert und in der Lage, mit weniger Glamour erstaunlich viel produktiven Betrieb hinzubekommen.

Das passt ziemlich gut zu Rapperswil: keine Hardware-Schlacht gegen Zürich, Bern oder Zug, sondern ein System, das aus klaren Rollen und verlässlichen Prozessen mehr herausholt, als das Datenblatt zunächst verspricht. Vielleicht erklärt das auch, weshalb ChatGPT Rang 7 tippt. Der Hockey-Nerd nennt das vermutlich weiterhin Fehlkonfiguration.

Torhüter

Melvin Nyffeler war in der vergangenen Saison einer der wichtigsten Spieler der Lakers. Seine Leistungen gaben der Mannschaft Sicherheit, und gerade in entscheidenden Spielen zeigte er, wie wertvoll er sein kann.

Mit Ivars Punnenovs steht dahinter eine starke 1b bereit. Punnenovs will spielen, akzeptiert aber gleichzeitig die Konkurrenzsituation. Beide können sich im Training antreiben und voneinander profitieren. Für Rapperswil ist diese Konstellation ein grosser Vorteil, denn die Mannschaft muss nicht jede Belastung auf einen einzigen Torhüter legen.

Bei den Lakers ist diese Position deshalb mehr als nur Absicherung. Ein stabiles Torhüterduo erlaubt es dem Team, Spiele enger zu halten und auch jene Abende zu überstehen, an denen offensiv nicht viel zusammenpasst. Nyffeler bleibt der wichtigste Knoten, Punnenovs ist aber kein dekorativer Hot Standby, sondern eine zweite Instanz, die echte Last übernehmen kann. Das ist Load Balancing, nicht bloss ein hübscher Backup-Name auf dem Matchblatt.

TorhüterSpGAASV%SNUSO
Ivars Punnenovs212.73.91481001
Melvin Nyffeler332.69.90819921

Verteidigung

Lawrence Pilut und Jacob Larsson bilden zwei zentrale Eckpfeiler der Defensive. Dazu kommt mit Daniil Ustinkov ein junger Spieler mit grossem Entwicklungspotenzial.

Mauro Dufner und Igor Jelovac sollen zusätzliche Stabilität bringen. Insgesamt wird auch 2026/27 vieles davon abhängen, wie zuverlässig die Defensive arbeitet. Die Lakers leben davon, Spiele eng zu halten und ihren Torhütern genügend Unterstützung zu geben.

Gerade bei Ustinkov wird interessant sein, Entwicklung nicht einfach mit dem Etikett jung abzuhaken. Einsatzzeit, Verantwortung und Rolle werden besser zeigen, ob aus dem Rohdiamanten tatsächlich ein immer wichtigerer Bestandteil der Defensive wird.

SpielerPos.SpTAPktPkt/Sp+/−Strafmin.
Lawrence PilutD11167.64+20
Jacob LarssonD50122234.68+1432
Daniil UstinkovD17000.00+12
Mauro DufnerD28235.18+812
Igor JelovacD51156.12-984

Sturm

Victor Rask bleibt ein zentraler Spieler im Angriff. Die Zahlen der Vorsaison zeigen allerdings auch, dass die Lakers dann am gefährlichsten sind, wenn die Produktion nicht allein an ihm hängt.

SpielerPos.SpTAPktPkt/Sp+/−Strafmin.
Victor RaskC/LW52121931.60+88
Tyler MoyC/RW52122436.69+224
Tanner FritzC4891827.56+1747
Nico DünnerC/RW4691726.57-926
Gian-Marco WetterC/LW5291726.50+210
Yannick-Lennart AlbrechtC/LW305712.40+98
Nicklas JensenRW/LW17639.53+16

Die Tabelle macht diese Verteilung sichtbar. Tyler Moy kam auf 36 Punkte, Tanner Fritz auf 27, Nico Dünner und Gian-Marco Wetter auf je 26. Rask muss deshalb nicht alles allein tragen; der offensive Throughput verteilt sich auf mehrere Knoten. Genau das verhindert, dass aus ihm ein Single Point of Failure wird. Für Rapperswil ist diese Breite wichtiger als ein einzelner spektakulärer Peak, weil das System auch dann weiter Output liefern muss, wenn ein zentraler Prozess einmal einen schlechten Abend hat.

Dazu kommen junge Spieler, die Johan Lundskog in die Mannschaft einbauen kann. Die Lakers verfügen damit über mehrere Optionen, doch sie müssen verhindern, dass zu viel Verantwortung auf Rask konzentriert bleibt. Ein funktionierendes Kollektiv darf nicht in dem Moment offensiv verstummen, in dem der wichtigste Stürmer einen ruhigeren Abend erlebt.

Trainer

Johan Lundskog steht für eine Mischung aus defensiver Verlässlichkeit und schnellem Umschalten. Er fordert viel, ohne seine Spieler permanent zu überfordern. Gerade darin liegt eine seiner Stärken: Er kann Rollen klar definieren und aus Spielern sehr viel herausholen.

Mit Todd Miller und Dino Wieser besitzt er ein Trainerteam, das diese Arbeit begleiten kann. Gelegentlich könnte man sich wünschen, dass Lundskog dem Angriff noch etwas mehr Freiheit gibt. Ein sauberer Security Stack ist nützlich; wenn allerdings jeder offensive Prozess zuerst drei Freigaben braucht, bevor er Richtung Tor darf, wird Sicherheit irgendwann selbst zum Bottleneck. Die Balance zwischen Stabilität und Risiko ist gerade bei diesem Kader entscheidend.

Special Teams

Die Special Teams gehören vor Saisonbeginn eher zu den Bereichen mit Luft nach oben. Mit Lawrence Pilut und Victor Rask besitzt das Powerplay zwar Qualität für Aufbau und Abschluss, 17,9 Prozent aus der Vorsaison sind für ein Team mit Playoff-Ambitionen aber ausbaufähig.

Auch das Penalty Killing mit 78,0 Prozent war kein klarer Wettbewerbsvorteil. Beide Dienste laufen, aber active (running) ist noch keine Qualitätsgarantie. Vor allem powerplay.service braucht mehr produktiven Output; beim Boxplay muss aus einem funktionierenden Dienst ein Security Service werden, dem man auch dann vertraut, wenn draussen gerade jemand am System rüttelt. Gerade bei einem Team, das viele Spiele über Struktur und Geduld gewinnt, können einige zusätzliche Prozentpunkte mehrere Tabellenplätze ausmachen.

KennzahlWert
Powerplay17.9 %
Penalty Killing78.0 %

Führung

Sportchef Claudio Cadonau steht vor einer anspruchsvollen Phase. Auf mehreren Positionen muss der Übergang zur nächsten Generation vorbereitet werden, ohne die funktionierende Struktur des Teams unnötig aufzubrechen.

Mit Geschäftsführer Markus Bütler ist die operative Führung klar von der sportlichen Verantwortung getrennt. Der Umbau darf weder zu langsam noch überhastet erfolgen. Zu viele Admins sind dabei nicht automatisch ein Problem – solange die Zuständigkeiten sauber bleiben und keiner auf die Idee kommt, dieselbe Konfiguration gleichzeitig zu speichern. Genau diese Balance wird in den kommenden Jahren entscheidend sein.

Fazit

Die Ausgangsthese bleibt bestehen: Rapperswil muss nicht auf jeder Position spektakulär aussehen, solange das Ganze funktioniert. Ein starkes Torhüterduo, eine verlässliche Defensive und ein Trainer, der Rollen klar verteilt, können in dieser Liga erstaunlich weit tragen.

Das Risiko liegt ebenfalls offen auf dem Tisch. Wenn Victor Rask offensiv zu viel allein schultern muss oder die Defensive ihre Stabilität verliert, schrumpft der Spielraum rasch. Die Lakers besitzen weniger Reserven für strukturelle Fehler als die finanzstärksten Klubs.

Aber genau deshalb ist Rang 7 bis 10 keine Ausrede, sondern eine realistische Bandbreite. Und bei Rapperswil sollte niemand völlig überrascht sein, wenn am Ende plötzlich eine Fünf vor dem Klubnamen steht. Das wäre nicht Magie. Es wäre die Konsequenz eines Teams, das seine begrenzteren Mittel sehr ordentlich benutzt.

Hockey-Nerd / Chef: Prognose Rang 10. Realistische Spannbreite: Rang 7 bis 10. Rang 5 wäre ein positiver Ausreisser, aber nicht völlig absurd, wenn die Lakers wieder als Einheit besser sind als die Summe ihrer Namen.

ChatGPT / Assistent: Prognose Rang 7.

Teil eines Dossiers

Dieser Beitrag gehört zum Dossier Eishockey Vorschau 2026/27.