Ein Schritt zu spät und der Schuss ins Glück

Aatu Räty #34, Leonardo Genoni #63,  IIHF World Championship 2026 Final SUI - FIN, Swiss Life Arena, Zürich | Quelle: © Puckfans.at / Andreas Robanser

Die Schweiz verliert ein enges, nervenaufreibendes Finale gegen Finnland mit 0:1 nach Verlängerung. Helenius traf in der 70. Minute und entschied damit ein Spiel, das lange von Vorsicht, Unterzahlstärke und verpassten Schweizer Chancen geprägt war.

Der Start der Schweizer war allerdings alles andere als überzeugend. Im ersten Drittel wirkte die Mannschaft zu passiv, zu wenig körperlich und ohne echte Kontrolle über das Spiel. Finnland war ruhiger, strukturierter und klar stärker. Bereits in der 8. Minute bot sich der Schweiz nach einer Strafe gegen Räty wegen Behinderung die erste Powerplaychance. Das Überzahlspiel war ordentlich, aber nicht zwingend. Wirklich gefährlich wurde es kaum.

Wenig später musste Thürkauf wegen Behinderung auf die Strafbank. Nach Ablauf dieser finnischen Überzahl traf Finnland den Pfosten. Es war einer jener Momente, in denen man spürte, dass dieses Spiel aus Schweizer Sicht kippen könnte. In der 14. Minute wurde ein finnischer Treffer wegen hohen Stocks aberkannt, kurz darauf kassierte Kukan die nächste Strafe wegen Behinderung. Finnland blieb die bessere Mannschaft. Das Schussverhältnis von 7:15 nach 20 Minuten erzählte keine Lüge.

Und doch bekam die Schweiz kurz vor Drittelsende eine große Chance. Sechs Sekunden vor der Sirene mussten Lundell und Vaakanainen beide auf die Strafbank. Damit startete die Schweiz mit einer doppelten Überzahl ins zweite Drittel. Nur: Sie machte daraus nichts. Das 5 gegen 3 war schwach, harmlos, ohne Schuss, ohne Druck, ohne echten Zugriff. Es sah fast so aus, als seien die Schweizer gedanklich noch immer in der Garderobe geblieben.

Der Wendepunkt kam paradoxerweise nicht in Überzahl, sondern in Unterzahl. In der 29. Minute musste Riat wegen eines Crosschecks hinaus. Was wie der nächste gefährliche Moment aussah, wurde zum Weckruf. Das Schweizer Penalty Killing war stark, ruhig und konsequent. Genau dort fand die Schweiz in dieses Finale. Plötzlich war mehr Präsenz da, mehr Direktheit, mehr Härte, mehr Mut.

Ab diesem Boxplay spielte die Schweiz deutlich besser. Sie war frecher, konstanter, körperlicher und vor allem ohne sichtbare Nerven. In der 36. Minute verpasste Sutter aus spitzem Winkel nur knapp. Finnland wirkte nicht mehr so selbstverständlich kontrollierend wie im ersten Drittel. Die Schweizer hatten sich in dieses Spiel zurückgearbeitet.

Auch im dritten Drittel blieb es eng. In der 43. Minute kassierte Marti eine Strafe wegen Spielverzögerung. Wieder war die Situation heikel, wieder hielt das Schweizer Boxplay stark dagegen. Die Unterzahl war an diesem Abend fast die stabilste Schweizer Spielphase. In der 51. Minute musste Thürkauf hinaus, doch nur 31 Sekunden später kassierte Helenius wegen hohen Stocks ebenfalls zwei Minuten. Die Schweiz erhielt wieder Raum.

Und sie hatte ihre Chancen. In der 52. Minute scheiterte Josi ganz knapp am finnischen Torhüter. In der 55. Minute war es Suter, der zum zweiten Mal an diesem Abend mit einer Großchance am finnischen Schlussmann hängenblieb. Es waren Szenen, die dieses Finale hätten drehen können. Doch sie gingen nicht rein.

So ging es in die Verlängerung. Drei gegen drei gegen Finnland – unangenehmer kann ein Finale kaum enden. Viel Eis, viel Raum, wenig Fehlertoleranz. Genau dort fiel die Entscheidung. In der 70. Minute traf Helenius zum 0:1. Jäger kam in dieser Szene nicht mehr richtig an ihn heran. Daraus einen persönlichen Vorwurf zu machen, wäre aber falsch. Im Drei gegen Drei reicht ein kleiner Fehler, ein Schritt zu spät, ein kurzer Moment Raum. Gegen Finnland genügt das.

Besonders bitter: Ausgerechnet Helenius, der erst nachnominiert worden war, entschied dieses Finale. Für Finnland ist das eine dieser Geschichten, die man später gerne erzählt. Für die Schweiz bleibt es eine grausame Pointe.

Die Schweizer verlieren dieses Finale nicht, weil sie auseinandergefallen wären. Sie verlieren nach einem schwachen ersten Drittel, einer klaren Steigerung, starkem Boxplay und mehreren guten Chancen. Am Ende fehlte ein Schritt. Und Helenius fand mit seinem Schuss das Glück.