Dabei begann das Spiel für Finnland ideal. Bereits in der 3. Minute traf Puistola zum 0:1. Sein Abschluss kam trocken, der kanadische Torhüter sah den Schuss spät oder gar nicht richtig kommen. Kanada brauchte jedoch nicht lange für die Antwort. In der 8. Minute fiel der Ausgleich durch Thomas. Der Puck sprang nach einem Abpraller von der Brust eines Kanadiers direkt auf seine Schaufel, Thomas reagierte schnell und verwertete zum 1:1.
Danach übernahm Kanada zunehmend den körperlicheren Teil des Spiels. Die Kanadier forecheckten aggressiv, gingen hart auf die Scheibe und wirkten in den direkten Duellen präsenter. Finnland blieb technisch sauber, aber im ersten Drittel noch etwas verhalten. In der 14. Minute drehte Kanada die Partie. Celebrini lupfte die Scheibe stark hoch, Holloway übernahm und zog trocken zum 2:1 ab. Nach 20 Minuten passte dieses Resultat zum Eindruck: Kanada war direkter, Finnland feiner, aber noch nicht zwingend genug.
Das änderte sich im zweiten Drittel deutlich. Barkov glich in der 21. Minute zum 2:2 aus, nachdem Granlund den Abschluss gesucht hatte und der Abpraller genau richtig liegen blieb. Barkov stand dort, wo gute Stürmer stehen, und verwertete. Danach wurde Finnland stärker, bissiger und im Forecheck deutlich unangenehmer. Kanada verlor zunehmend die Ruhe.
In der 31. Minute brachte Helenius Finnland mit 2:3 in Führung. Er erwischte das Five Hole, zunächst sahen die Schiedsrichter den Treffer nicht. Erst nach Videokonsultation wurde das Tor gegeben. Nur eine Minute später folgte der nächste Schlag. Räty verwertete einen Abpraller zum 2:4. Finnland zwang Kanada in dieser Phase mit aggressivem Forecheck zu Fehlern, während die Kanadier sichtbar genervt reagierten. Ein zertrümmerter Stock auf dem Tor war dafür ein recht deutliches Stimmungsprotokoll.
Bemerkenswert war vor allem das Schussverhältnis im Mitteldrittel. Kanada brachte in diesen 20 Minuten nur drei Scheiben aufs finnische Tor, Finnland deren zehn. Genau dort wurde das Spiel entschieden. Der finnische Sauna-Aufguss war für Kanada zu heiss: zu wenig Entlastung, zu viele Fehler, zu wenig Ruhe.
Im Schlussdrittel reagierte Kanada nochmals deutlich. In der 47. Minute scheiterte Tavares gleich zweimal aus guter Position. Später nahm Kanada den Torhüter heraus, doch auch mit zusätzlichem Feldspieler kam keine Wende mehr. Das letzte Drittel gehörte auf dem Shot Chart klar Kanada. 15:2 Schüsse lautete das Verhältnis in den letzten 20 Minuten. Finnland verteidigte jedoch ruhig, blockte Wege, hielt die gefährlichen Zonen sauber und brachte den Vorsprung über die Zeit.
Insgesamt gewann Kanada das Schussverhältnis mit 30:21, aber Finnland gewann die entscheidenden Momente. Kanada bleibt ein starkes Schlussdrittel, aber auch die Erkenntnis, dass ein schwaches Mitteldrittel in einem WM-Halbfinale zu viel sein kann.
Damit kommt es im Finale erneut zum Duell Schweiz gegen Finnland. Finnland steht verdient im Endspiel – nicht, weil es 60 Minuten dominiert hätte, sondern weil es genau dann besser war, als das Spiel entschieden wurde.
