Kein roter Teppich für Russland und Belarus

Olympic Qualification Men BLR - POL Danny Taylor  #31 Zimny Stadion Ondreja Nepelu | Quelle: © Puckfans.at/Andreas Robanser

Der Krieg gegen die Ukraine dauert an. Ein Ende ist nicht in Sicht. Russland führt diesen Krieg, Belarus ist politisch und logistisch Teil dieses Machtblocks. Wer in dieser Lage darüber diskutiert, diese beiden Länder einfach wieder in internationale Wettbewerbe einzugliedern, muss wissen, was er tut. Das ist keine neutrale Tabellenkorrektur. Das ist ein Signal.

Und genau deshalb darf es keine Rückkehr durch die Vordertür geben.

Die sportlich saubere Lösung ist einfach: Russland und Belarus beginnen bei einer Wiederzulassung in der untersten Division. In allen Bereichen. Männer, Frauen, U20, U18, Klubwettbewerbe, Qualifikationsturniere. Ohne Sonderregel, ohne Hintertür, ohne roten Teppich.

Alles andere ist nicht vermittelbar.

Besonders deutlich wird das bei der Schweizer U18. Die Schweiz ist aus der Top Division abgestiegen, hat danach in der Division I A gespielt, alle Aufgaben erledigt und sich den Wiederaufstieg sportlich verdient. Wenn nun Belarus zurückkehrt und ausgerechnet dieser Schweizer Aufstieg am grünen Tisch kassiert wird, ist das kein Sportentscheid mehr. Das ist Verbandsbürokratie auf Kosten von Junioren, die nichts dafür können.

Man kann über Sicherheitslagen, Gerichtsentscheide, Verbandsstatuten und internationale Vorgaben diskutieren. Aber eine Grenze muss klar sein: Kein Land, das während eines Ausschlusses nicht am Wettbewerb teilgenommen hat, darf bei der Rückkehr den Platz eines Teams übernehmen, das sich diesen Platz auf dem Eis erarbeitet hat.

Das ist der Kern.

Sport lebt von Wettbewerb. Von Aufstieg und Abstieg. Von Leistung, Niederlage, Rückkehr und Qualifikation. Wer dieses System beschädigt, beschädigt nicht nur eine Tabelle. Er beschädigt die Glaubwürdigkeit des Sports.

Russland und Belarus waren nicht wegen eines Formfehlers draussen. Sie waren draussen, weil der Krieg gegen die Ukraine den internationalen Sport in eine Lage gebracht hat, in der Normalität nicht mehr vorgetäuscht werden konnte. Solange dieser Krieg andauert, ist jede Rückkehr politisch belastet. Wer trotzdem eine Rückkehr bewilligt, kann nicht so tun, als handle es sich um eine rein technische Frage.

Natürlich sollen Sportlerinnen und Sportler nicht pauschal für alles verantwortlich gemacht werden, was Regierungen tun. Das ist ein ernstes Argument. Aber es hebt nicht die Verantwortung der Verbände auf. Gerade im Teamsport treten Nationalmannschaften nicht als private Einzelpersonen an. Sie tragen Flaggen, Wappen, Hymnen und politische Symbolik. Genau deshalb ist es naiv, so zu tun, als könne man Nationalteams aus Russland und Belarus einfach wieder einfügen, ohne politische Wirkung zu erzeugen.

Eine Rückkehr in die höchste Klasse wäre ein roter Teppich. Sportlich wäre sie unfair, politisch wäre sie falsch, kommunikativ wäre sie ein Desaster.

Der richtige Weg wäre hart, aber sauber: Wer zurückkommt, beginnt unten. Dann gibt es keine Opfer unter den Ländern, die regulär weitergespielt haben. Dann verliert keine Schweizer U18, keine ukrainische Mannschaft, kein anderes Team seinen sportlich verdienten Platz. Dann müssen Russland und Belarus sportlich beweisen, dass sie wieder nach oben gehören.

Das wäre kein Racheakt. Es wäre Ordnung.

Die IIHF muss sich entscheiden, was sie schützen will: die politische Bequemlichkeit ihrer eigenen Rückkehrlogik oder die Integrität ihrer Wettbewerbe. Beides gleichzeitig geht nicht.

Wenn Belarus oder später Russland wieder teilnehmen sollen, dann nur nach klaren, transparenten und für alle gleichen Regeln. Nicht mit Sonderplätzen. Nicht auf Kosten anderer. Nicht mit einem freundlichen „Willkommen zurück“ in eine Division, in der andere Länder für jeden Punkt kämpfen mussten.

Wer das anders entscheidet, soll sich nicht wundern, wenn er unter Feuer kommt.

Dann wird die Kritik nicht unfair sein. Dann wird sie notwendig sein.

Denn es geht hier nicht darum, ob man Belarus oder Russland irgendwann wieder in den Weltsport integrieren kann. Es geht darum, wie. Und auf wessen Kosten.

Die Antwort darf nicht lauten: auf Kosten derer, die sich an die Regeln gehalten, gespielt, gewonnen und sich ihren Platz verdient haben.

Die Antwort muss lauten: unten anfangen. Für beide Länder. In allen Wettbewerben. Punkt.