Long Term Support – aber für wen?

MVP Leonardo Genoni #63, IIHF World Championship 2025 Final SUI - USA Avicii Arena, Stockholm,  © Puckfans.at / Andreas Robanser | Quelle:

Long Term Support – aber für wen?

Einleitung

Der EV Zug besitzt auf dem Papier fast alles, was eine Spitzenmannschaft braucht: einen der besten Torhüter der Liga, eine breite Verteidigung und einen Angriff mit sehr viel individueller Qualität. Trotzdem ist die Ausgangslage weniger eindeutig, als es die Namen vermuten lassen.

Die These für Zug lautet deshalb: Der grösste Gegner sitzt zu Saisonbeginn nicht zwingend auf der anderen Spielerbank. Er steckt in der eigenen Neuordnung. Nach einem turbulenten Sommer müssen Trainer, sportliche Führung und Klubspitze erst beweisen, dass aus den vielen guten Einzelteilen wieder eine belastbare Einheit entsteht. Die Hardware ist jedenfalls zu gut, um einen missglückten Bootvorgang später überzeugend auf fehlende Rechenleistung zu schieben.

Prognose

Hockey-Nerd / Chef: Rang 5

ChatGPT / Assistent: Rang 5

Betriebssystem

Ubuntu LTS

Zug ist die klassische LTS-Installation: starke Basis, breite Hardware-Unterstützung, genügend Reserven und eigentlich alles vorhanden, um jahrelang verlässlich zu laufen. Das Problem ist weniger das Betriebssystem als die Frage, was die Administratoren im Sommer an Konfiguration, Rollen und Rechten verändert haben. Auch eine LTS-Version kann erstaunlich nervös werden, wenn gleichzeitig an zu vielen Systemdateien gearbeitet wird.

Die Hardware liefert jedenfalls keine Ausrede. Long Term Support bedeutet nur leider nicht automatisch Long Term Serenity. Lauri Marjamäki und die sportliche Führung müssen beweisen, dass nach dem Neustart auch wirklich alle Dienste wieder dort lauschen, wo man sie erwartet.

Torhüter

Über Leonardo Genoni muss man nicht lange diskutieren. Er bleibt einer der wichtigsten Faktoren des EV Zug und gibt der Mannschaft auf der zentralsten Position eine Sicherheit, die nur wenige Teams besitzen.

Spannender ist die Frage hinter ihm. Mathieu Croce ist für 2026/27 die nominelle Nummer zwei hinter Genoni. Matia Birchler ist für die Saison an den EHC Visp ausgeliehen und soll dort Spielpraxis sammeln; der EVZ kann ihn bei Bedarf zurückholen. Croce könnte bereits jetzt Spiele übernehmen und Genoni entlasten. Für Zug wäre es wichtig, diese Möglichkeit zu nutzen. Die Saison ist lang. Gleichzeitig hat Genoni seinen Vertrag Ende August bis zum Ende der Saison 2029/30 verlängert. Die Nachfolge bleibt damit eine langfristige Aufgabe, aber kein unmittelbar bevorstehender Systemwechsel.

TorhüterSpGAASV%SNUSO
Leonardo Genoni382.33.918151434

Verteidigung

Mit Jakob Moverare, Lukas Bengtsson und David Sklenicka sind drei Ausländerpositionen in der Defensive besetzt. Dazu kommen erfahrene Schweizer wie Raphael Diaz, Samuel Guerra und Tobias Geisser. Damit ist die Verteidigung sehr breit aufgestellt.

Für junge Spieler wie Nic Balestra oder Eric Schneller wird es entsprechend schwierig, regelmässig Eiszeit zu erhalten. Gleichzeitig ist genau diese Breite ein grosser Vorteil. Zug kann Ausfälle auffangen und muss bei Verletzungen nicht sofort die gesamte Struktur verändern. Mehrere funktionsfähige Wege stehen bereit, bevor überhaupt ein Notfall eintritt; die eigentliche Frage ist deshalb QoS: Wer bekommt wie viel Eiszeit und Verantwortung, damit Tiefe nicht einfach zu teuer bezahlter, aber stillgelegter Kapazität wird?

Das Problem der Defensive ist damit nicht der Mangel an Optionen. Die Herausforderung besteht eher darin, Rollen sauber zu verteilen und genügend Eiszeit für jene Spieler zu finden, die sich weiterentwickeln sollen.

Sturm

Auch im Angriff ist die personelle Qualität hoch. Jan Kovář, Dominik Kubalík, Tomas Tatar und Andreas Wingerli geben dem Team internationale Klasse. Dazu kommen Vinzenz Rohrer, Grégory Hofmann, Sven Senteler, Lino Martschini und weitere etablierte Kräfte.

SpielerPos.SpTAPktPkt/Sp+/−Strafmin.
Dominik KubalíkLW/RW49221739.80-722
Grégory HofmannLW48161733.69+716
Tomas TatarLW/RW4182533.80+539
Jan KovářC47111627.57-922
Andreas WingerliLW/C45111324.53-322
Sven SentelerC/LW5212921.40-410
Lino MartschiniRW20448.40-102
Vinzenz RohrerC/RW414812.29+220

Dahinter stehen junge Spieler bereit, die sich entwickeln und Druck auf die Stammplätze ausüben können. Der EVZ besitzt damit nicht nur Qualität in den ersten Linien, sondern auch Tiefe. Genau diese Kombination macht das Team über eine lange Qualifikation gefährlich.

Die entscheidende Frage wird nicht sein, ob Zug genügend gute Stürmer besitzt. Davon gibt es reichlich. Entscheidend wird sein, ob Lauri Marjamäki daraus klare Rollen und verlässliche Linien entwickeln kann. Wenn bei dieser Hardware am Ende nur zwei Prozesse zuverlässig Output liefern, wird irgendwann jemand ziemlich berechtigt nach der Konfiguration fragen.

Trainer

Die grosse Frage betrifft Lauri Marjamäki. In Kloten zeigte er gute Ansätze, doch die Ausgangslage in Zug ist eine völlig andere. Er übernimmt eine Mannschaft mit deutlich höheren Erwartungen, mehr Stars und einem Umfeld, das nach einem turbulenten Sommer genau beobachtet werden wird.

Mit Roger Hansson und Tomas Montén stehen ihm zwei Assistenten zur Seite, die sich einbringen und Marjamäki stützen werden. Dieses Trainerteam muss aus einem starken Kader wieder ein funktionierendes Ganzes formen. Die Einzelteile sind installiert; jetzt geht es um Configuration und Dependencies. Ein starker Prozessor, viel RAM und mehrere schnelle Schnittstellen helfen wenig, wenn sich neue Zuständigkeiten gegenseitig blockieren oder zwei Dienste gleichzeitig dieselbe Ressource beanspruchen. Gleichzeitig wird entscheidend sein, wie die Zusammenarbeit mit der neuen sportlichen Führung funktioniert. Nach den Veränderungen im Sommer ist noch nicht alles gefestigt.

Special Teams

Powerplay und Boxplay verfügen aufgrund der individuellen Qualität über viele Varianten. Die Werte der Vorsaison – 22,2 Prozent im Powerplay und 80,4 Prozent im Penalty Killing – sind ordentlich, aber kein Grund, diesen Bereich bereits zur dominanten Stärke zu erklären.

Für Lauri Marjamäki liegt die Chance deshalb darin, aus der grossen personellen Auswahl noch mehr herauszuholen. Gerade im Powerplay sollte ein Kader mit dieser Qualität genügend Optionen besitzen, um Gegner auf unterschiedliche Weise zu bestrafen. powerplay.service und penalty-kill.service melden nicht failed, aber auch noch keinen Benchmark-Sieg; der zusätzliche Output muss aus besserer Konfiguration kommen.

KennzahlWert
Powerplay22.2 %
Penalty Killing80.4 %

Führung

GM Ted Suihkonen und der neue CEO Paolo Duca stehen vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Beide müssen sich in einem Umfeld beweisen, das nach den Veränderungen im Sommer noch nicht vollständig zur Ruhe gekommen ist.

Duca hat bereits gezeigt, dass er in einem emotionalen Klubumfeld bestehen kann. Entscheidend wird sein, ob es ihm gelingt, die sportliche Führung zu schützen und klare Zuständigkeiten zu schaffen. Gerade Suihkonen wird diese Rückendeckung benötigen. Nach diesem Sommer wäre es jedenfalls hilfreich, wenn whoami innerhalb der Organisation nicht erst nach längerer Beratung beantwortet werden müsste.

Die Qualität des Kaders nimmt der Führung den Druck nicht. Im Gegenteil: Je besser die Mannschaft auf dem Papier aussieht, desto schwieriger wird es, sportliche Rückschläge allein mit einem Übergangsjahr zu erklären.

$ whoami
EVZ
$ systemctl status responsibilities.service
active (reorganizing)

Fazit

Sportlich gibt es kaum einen vernünftigen Grund, Zug ausserhalb der Top 6 zu erwarten. Leonardo Genoni, die Tiefe in der Verteidigung und die Qualität im Sturm reichen für mehr als nur eine ordentliche Saison. Ein Halbfinaleinzug liegt im Bereich des Realistischen.

Damit ist die Ausgangsthese aber nicht widerlegt. Der fahle Beigeschmack bleibt. Nicht weil dem EVZ Hockeyqualität fehlt, sondern weil die neue Ordnung erst beweisen muss, dass sie trägt. Trainer, GM und CEO beginnen praktisch gleichzeitig unter hohen Erwartungen. Das kann erstaunlich schnell funktionieren. Es kann aber ebenso schnell unangenehm werden, wenn die Resultate nicht sofort stimmen.

Zug ist deshalb eines der Teams, bei denen die Tabelle allein zu Saisonbeginn wenig erzählt. Vielleicht steht dort im November ein Spitzenteam. Vielleicht steht dort ein Spitzenteam, das noch immer versucht herauszufinden, wer eigentlich gerade welche Entscheidung trifft.

Hockey-Nerd / Chef: Prognose Rang 5. Realistische Spannbreite: Rang 3 bis 7. Die Top 6 sollten erreicht werden; nach oben ist Halbfinalpotenzial vorhanden, nach unten entscheidet vor allem, wie schnell die neue Ordnung trägt.

ChatGPT / Assistent: Prognose Rang 5.

Teil eines Dossiers

Dieser Beitrag gehört zum Dossier Eishockey Vorschau 2026/27.