Dabei begann dieses Spiel genau so, wie man es aus Schweizer Sicht gegen Schweden nicht haben wollte. Die Schweiz war gut im Spiel, präsent, mutig und keineswegs eingeschüchtert. Doch in der 7. Minute traf Karlsson zum 0:1 für Schweden. Kurz darauf wurde es noch unangenehmer: Kukan kassierte eine 5-Minuten-Strafe plus Spieldauerdisziplinarstrafe. Rückstand gegen Schweden, dazu fünf Minuten Unterzahl – das war ziemlich exakt das Drehbuch, das man vor diesem Viertelfinal lieber im Giftschrank gelassen hätte.
Die Schweiz überstand diese Phase aber mit bemerkenswerter Ruhe. Kurz vor Ablauf der grossen Strafe jubelte Schweden bereits über das vermeintliche 0:2. Der Treffer wurde nach Videostudium wegen einer Kickbewegung aberkannt. Ein schwieriger Entscheid, weil nicht klar sichtbar war, ob J.J. Moser die Scheibe danach noch mit dem Stock berührte. Die Schiedsrichter trafen einen schweren, aber vertretbaren Call.
Nur wenig später antwortete die Schweiz. In der 14. Minute sah Josi die Lücke und zog ab. Vor dem schwedischen Tor herrschte viel Verkehr, Thürkauf band zwei Schweden und sorgte damit für den entscheidenden Screen. Josi fand die Schussbahn und traf zum 1:1. Aus einem beinahe katastrophalen Start war plötzlich wieder ein offenes Spiel geworden.
Im zweiten Drittel, vor dem man wegen der langen Wechselwege durchaus Respekt haben durfte, wurde die Schweiz immer stärker. Sie blieb körperlich präsent, steckte ein, teilte aus und verlor dabei nie die Ruhe. Schweden dagegen wirkte zunehmend genervt. Nach einem harten, aber sauberen Check von Niederreiter gegen Ekman-Larsson reklamierte die schwedische Bank vehement. Die Szene zeigte: Schweden war nicht mehr ganz so souverän, wie es gerne gewirkt hätte.
In der 33. Minute belohnte sich die Schweiz. Malgin dribbelte sich durch die schwedische Abwehr, wartete, wartete, wartete – und zog dann genau im richtigen Moment ab. Sein Treffer zum 2:1 war ein Tor voller Geduld, Technik und Selbstvertrauen.
Kurz darauf wurde das Spiel noch giftiger. Timo Meier traf Sundqvist nach einem Körperkontakt noch am Knie, der Schwede musste gestützt vom Eis. Gleichzeitig revanchierte sich Johansson mit einem Crosscheck in Meiers Rücken. Beide Teams hatten in dieser Sequenz Glück, dass die Schiedsrichter nicht härter durchgriffen. Nur wenig später musste Persson wegen Beinstellens raus – und die Schweiz nutzte das Powerplay eiskalt.
In der 36. Minute zog Hischier in den Torraum, machte einen Schritt nach aussen und lupfte die Scheibe herrlich über den Stock des schwedischen Torhüters. Thürkauf stand bereit und schob zum 3:1 ein. Ein technisch feines, fast freches Tor – und ein massiver Wirkungstreffer.
Auffällig war nun vor allem die unterschiedliche Körpersprache. Die Schweiz blieb ruhig, geduldig und hart. Schweden dagegen wirkte gereizt, teilweise überfordert und immer wieder einen Schritt zu spät. Phasenweise kontrollierte die Schweiz dieses Viertelfinal zu Land, zu Wasser und in der Luft.
Im Schlussdrittel versuchte Schweden nochmals zu reagieren. Nach einer Strafe gegen Thürkauf kam Schweden gut ins Powerplay, doch das Schweizer Boxplay arbeitete nahezu perfekt. Immer wieder chippten die Schweizer die Scheibe aus der Zone und zwangen Schweden zu neuen Anläufen.
In der Schlussphase nahm Schweden früh den Torhüter raus. In der 57. Minute rettete die Latte für die Schweiz, kurz darauf folgten Timeout, erneuter Empty Netter und nochmals viel Druck. Doch die Schweiz hielt stand. Auch als Andrighetto und Berglund in der 59. Minute noch je zwei Minuten wegen übertriebener Härte kassierten, blieb die Schweizer Mannschaft stabil.
Am Ende stand ein 3:1-Sieg gegen Schweden. Nicht glücklich, nicht zufällig, sondern verdient. Die Schweiz hat den Rückstand, die grosse Strafe, das aberkannte schwedische Tor und die harte Gangart überstanden – und danach ihr eigenes Spiel durchgezogen.
Dieser Sieg ist mehr als eine Halbfinalqualifikation. Es ist ein Statement. Die Schweiz hat Schweden nicht nur geschlagen. Sie hat gezeigt, dass sie auf diesem Niveau Härte, Ruhe, Geduld und Qualität zusammenbringen kann. Im Halbfinal wartet nun Norwegen. Der Weg ist offen. Aber nach diesem Spiel gilt erst einmal: Die Schweiz hat Schweden bezwungen. Und das war höchste Zeit.
