Wer hat hier eigentlich root?

Urho Vaakanainen#58, Frederik Tiffels  #95, Waltteri Merelä #19,  IIHF World Championship 2026 FIN - GER, Swiss Life Arena, Zürich © Puckfans.at / Andreas Robanser | Quelle:

Wer hat hier eigentlich root?

Einleitung

Beim SC Bern ist wieder einmal vieles neu und trotzdem erstaunlich vieles vertraut. Neuer Trainer, neuer Torhüter, neue Imports, Veränderungen in der Führung – und über allem dieselbe Frage: Wird aus all diesen Veränderungen endlich eine Mannschaft, die ihrer eigenen Grösse wieder gerecht wird?

Die These lautet: Bern besitzt genügend Qualität für die Top 6. Das eigentliche Risiko ist nicht der Kader, sondern die Fähigkeit der Organisation, nach Rückschlägen ruhig zu bleiben und den neuen Rollen Zeit zu geben. Wenn Serge Aubin tatsächlich eine neue Ordnung etablieren kann, ist ein deutlicher Schritt nach vorne möglich. Wenn nach der ersten längeren Niederlagenserie wieder alles gleichzeitig diskutiert wird, beginnt das nächste Kapitel derselben Geschichte. Die Hardware ist also vorhanden; spannend wird eher, wie viele Leute diesmal gleichzeitig Administrator spielen wollen.

Prognose

Hockey-Nerd / Chef: Rang 6

ChatGPT / Assistent: Rang 6

Betriebssystem

Windows 11 Enterprise

Bern ist Windows 11 Enterprise. Gross, leistungsfähig, teuer, voller Funktionen – und mit genügend Benutzerkonten, Richtlinien und Administratorrechten, dass man gelegentlich länger über die Berechtigungen spricht als über die eigentliche Anwendung. An der Hardware liegt es selten. Spannender ist die Group Policy.

Mit Jürg Fuhrer als neuem root, Serge Aubin mit sudo, Pascal Signer nahe an den sportlichen Systemdateien und Martin Plüss ebenfalls im Rechtebaum passt Enterprise fast unverschämt gut. Wenn alle Rollen sauber definiert sind, kann das mächtig sein. Wenn drei Administratoren gleichzeitig dieselbe Policy ändern, meldet sich irgendwann selbst Windows mit der höflichen Frage, ob man wirklich sicher sei.

Torhüter

Connor Hughes kommt im Tausch mit Romain Loeffel nach Bern. Dahinter stehen Sandro Zurkirchen und Christof von Burg.

Das Trio ist interessant aufgebaut. Hughes muss die klare Hauptlast tragen und beweisen, dass er die Erwartungen in Bern aushält. Zurkirchen bringt Erfahrung mit und kann gleichzeitig für von Burg eine wichtige Rolle in der Entwicklung übernehmen.

Spannend wird sein, ob von Burg nur als Perspektivspieler geführt wird oder tatsächlich Einsätze erhält. Die Zahlen der Vorsaison versprechen durch den Wechsel zu Hughes allerdings nicht automatisch ein Upgrade: Seine Fangquote von .911 lag unter Adam Reideborns .919 und praktisch auf dem Niveau von Sandro Zurkirchens .912. Der Gewinn muss deshalb aus Passung, Rollenverteilung und Gesamtstruktur entstehen.

Der Torhüterwechsel ist damit eher ein Hot Swap als ein nachgewiesenes Hardware-Upgrade. Hughes kann besser ins neue System passen – aber die Versionsnummer allein garantiert noch keinen höheren Benchmark. Wer allein wegen des neuen Paketnamens automatisch bessere Werte erwartet, betreibt eher Marketing als Systemdiagnose.

TorhüterSpGAASV%SNUSO
Adam Reideborn352.15.919161714
Sandro Zurkirchen182.26.9128632
Connor Hughes272.35.91114902

Verteidigung

Die Defensive enthält mehrere grosse Fragen.

Kann Anton Lindholm endlich über längere Zeit gesund bleiben? Kann Hardy Häman Aktell seine Fehlerquote reduzieren? Mit Ian Mitchell kommt ein defensiv verlässlicher Spieler, während Rodwin Dionicio deutlich freier und offensiver interpretiert.

SpielerPos.SpTAPktPkt/Sp+/−Strafmin.
Hardy Häman AktellD3771421.57-46
Anton LindholmD39066.15+819
Rodwin DionicioD4962127.55+540

Gerade bei Rodwin Dionicio wird interessant, wie viel Freiraum Serge Aubin zulässt. Sein offensiver Router darf Pakete gerne mit Tempo nach vorne schicken; hilfreich wäre bloss, wenn die Rückroute nicht jedes Mal erst nach dem Turnover berechnet wird. Dahinter erhöhen Davyd Barandun, Louis Füllemann und Nils Rhyn den Konkurrenzkampf. Wer nicht sauber arbeitet, kann seinen Platz verlieren.

Diese Konkurrenz ist wichtig. Bern braucht nicht nur Namen in der Defensive, sondern Verlässlichkeit in jenen Situationen, in denen ein Spiel nicht schön, sondern schlicht richtig verteidigt werden muss.

Sturm

Rodrigo Abols und Sonny Milano sind die neuen Importspieler. Beide bringen Qualität, müssen aber in eine Mannschaft integriert werden, die ihre Rollen teilweise neu verteilen wird.

Dario Rohrbach kommt aus Langnau. Die Frage, ob er langfristig eine ähnliche Bedeutung wie Simon Moser entwickeln kann, ist reizvoll, sollte aber nicht zur kurzfristigen Erwartung werden.

SpielerPos.SpTAPktPkt/Sp+/−Strafmin.
Dario RohrbachRW51132235.69+66

Mit Emil Bemström, Miro Aaltonen, Waltteri Merelä, Tristan Scherwey, Marco Lehmann, Benjamin Baumgartner und Fabian Ritzmann sind zahlreiche Kombinationen möglich. Dahinter gibt es weitere junge Spieler mit Potenzial.

Entscheidend wird sein, ob Aubin die Tiefe wirklich nutzt oder erneut zu viel Verantwortung auf zwei Linien konzentriert. Vier Production Cluster helfen nur, wenn der Scheduler ihnen tatsächlich Arbeit gibt. Werden zwei Linien dauerhaft auf höchste Priorität gesetzt und die anderen bloss mitgeführt, existiert die Tiefe eher auf dem Matchblatt als im Throughput. Bern braucht vier Linien im Spiel, nicht nur vier Zeilen in der Konfiguration.

Trainer

Serge Aubin kommt aus Berlin, wo er über Jahre sehr erfolgreich arbeitete. Die Rahmenbedingungen in Bern sind jedoch anders.

Er muss mit den Beschränkungen des Schweizer Importreglements umgehen und gleichzeitig einen grossen Klub mit arrivierten Spielern führen. Aubin in der Schweiz vorschnell nach seinem früheren ZSC-Engagement zu beurteilen, wäre dennoch ein Fehler.

Mit Pavel Rosa und Patrick Schöb stehen ihm zwei Assistenten zur Seite. Gerade Rosa dürfte im täglichen Umgang mit der Mannschaft eine bedeutende Rolle spielen. Dieses Trainerteam muss nicht nur Taktik installieren, sondern auch Hierarchien neu sortieren. Aubin bekommt dafür weitreichendes sudo. Sollte das System trotzdem nach wenigen Wochen nur auf zwei Linien sauber booten, wird die Frage nach der Konfiguration allerdings schneller kommen als der Hinweis auf fehlende Hardware.

Special Teams

Bern besitzt das Personal, um in den Special Teams deutlich variabler aufzutreten als zuletzt. Vor allem das Powerplay mit nur 17,2 Prozent ist eine konkrete Baustelle. Das Penalty Killing lag mit 79,6 Prozent deutlich näher an einem brauchbaren Niveau.

Mehr Puckbewegung und weniger starre Abläufe könnten dem Kader entgegenkommen. powerplay.service produzierte mit 17,2 Prozent zu wenig Output und braucht deshalb einen gezielten Patch, keinen kompletten Reboot. Entscheidend wird sein, wie Serge Aubin die Rollen verteilt und welche Spieler er in welchen Situationen priorisiert. Genau dort kann eine neue Configuration schnell sichtbar werden.

KennzahlWert
Powerplay17.2 %
Penalty Killing79.6 %

Führung

Sportdirektor Martin Plüss steht unter Druck. Eine weitere sehr schwache Saison würde seine Position zwangsläufig stärker hinterfragen. Über ihm trägt Pascal Signer als Chief Hockey Officer (CHO) die organisatorische, personelle und strukturelle Gesamtverantwortung für den Sportbereich, während Plüss die National-League-Sparte und deren sportliche Ausrichtung führt.

Auch auf CEO-Ebene wechselt der Administrator: Marc Lüthi geht, Jürg Fuhrer übernimmt root. Die eigentliche Frage ist damit nicht nur, wie Fuhrer mit CHO Pascal Signer, Sportdirektor Martin Plüss und dem neuen sudo Serge Aubin zusammenspielt. Spannender wird, wie sauber die Rechte zwischen CEO, CHO, Sportdirektion und Headcoach verteilt sind – und ob Signer dafür sauber in /etc/sudoers eingetragen wird oder irgendwann doch jemand das root-Passwort auf einen Zettel schreibt und hofft, dass alle vernünftig damit umgehen.

Martin Plüss sitzt als Sportdirektor und Systemarchitekt ebenfalls mitten in diesem Rechtebaum. Bei so viel Kompetenz wäre ein Permission Conflict eine ausgesprochen luxuriöse Art, sich selbst das Leben schwer zu machen.

sudo -l -U signer
User signer may run selected hockey-operations commands.
Root access: ask Jürg Fuhrer.
Nerd: Wer hat in Bern eigentlich root?
ChatGPT: Jürg Fuhrer.
Nerd: Und im Sport?
ChatGPT: Das ist die interessante Frage.
Nerd: Ah. Du lernst.

Gerade deshalb wird diese Saison auch ein Test der Führung. Ein grosser Klub zeigt seine Stabilität nicht nach fünf Siegen. Er zeigt sie nach fünf Niederlagen – wenn plötzlich drei Personen gleichzeitig gute Gründe haben, dieselbe Konfigurationsdatei öffnen zu wollen.

Fazit

Die Ausgangsthese ist beinahe banal und gerade deshalb wichtig: Bern hat genügend Hockeyspieler für die Top 6. Es gibt keinen Grund, eine weitere schwache Saison mit mangelnder individueller Qualität zu erklären.

Connor Hughes kann im Tor Stabilität bringen, muss aber nicht als automatisches statistisches Upgrade verkauft werden. Serge Aubin besitzt die Erfahrung, Rollen neu zu ordnen. Der Sturm ist tief genug, die Defensive bietet Konkurrenz, und vor allem im Powerplay liegt zusätzliches Potenzial. Damit bleiben vor allem zwei Fragen: Wie schnell greift die neue Ordnung, und was passiert beim ersten ernsthaften Gegenwind?

Wenn Bern nach einer längeren Niederlagenserie wieder in alte Reflexe verfällt, kann die Mannschaft kippen. Wenn die Führung ruhig bleibt und Aubin wirklich arbeiten kann, dürfte die Musik häufiger auf dem Eis stattfinden als daneben.

Hockey-Nerd / Chef: Prognose Rang 6. Realistische Spannbreite: Rang 4 bis 8. Die Top 6 sind möglich und sollten das Ziel sein; wie weit Bern ausschlägt, hängt stark davon ab, ob die neue Ordnung auch bei Gegenwind hält.

ChatGPT / Assistent: Prognose Rang 6.

Teil eines Dossiers

Dieser Beitrag gehört zum Dossier Eishockey Vorschau 2026/27.