Wikinger verheddern sich im Fondue

Denis Malgin #62, Roman Josi #90, Dominik Egli  #72, Sven Andrighetto  #85, Calvin Thürkauf #79,  IIHF World Championship 2026, Swiss Life Arena, Zürich | Quelle: © Puckfans.at / Andreas Robanser

Dabei begann dieses Halbfinale in Zürich keineswegs gemächlich. Kaum zwei Minuten waren gespielt, da hatten die Schiedsrichter bereits dreimal die Hand oben. Jäger und Koblar kassierten je zwei Minuten wegen unsportlichen Verhaltens, dazu musste Josi wegen Beinstellens auf die Strafbank. Die Linie war damit früh gesetzt – und das war gut so. Wer in diesem Halbfinale diskutieren, nachsetzen oder den Stock zu kreativ einsetzen wollte, bekam rasch Besuch vom Strafbankpersonal.

Sportlich fand die Schweiz schnell besser ins Spiel. Nach zehn Minuten lautete das Schussverhältnis bereits 7:3, Roman Josi hatte zuerst den Pfosten getroffen und danach Haukeland gleich mehrfach geprüft. Der norwegische Torhüter machte unten, oben und in der Mitte dicht – und vermutlich auch dort, wo physikalisch gar kein Torraum mehr vorgesehen ist. Norwegen verteidigte lange diszipliniert, spielte auch ein Unterzahlspiel nach einer Strafe gegen Salsten sauber herunter, doch der Druck der Schweizer nahm stetig zu.

In der 17. Minute war Haukeland dann geschlagen. Bertschy zog ab, Bächler nahm dem norwegischen Torhüter entscheidend die Sicht, und die Scheibe flog oben links über die Stockhand ins Angeli. Das 1:0 war die verdiente Belohnung für ein erstes Drittel, das die Schweiz mit 14:6 Schüssen klar für sich entschied. Norwegen war nicht chancenlos, aber meist damit beschäftigt, den Schweizer Druck irgendwie aus der Gefahrenzone zu räumen.

Im zweiten Drittel wurde aus Überlegenheit endgültig Kontrolle. In der 24. Minute lancierte die Schweiz einen perfekten Konter. Thürkauf kam mit Tempo, wartete im richtigen Moment auf Malgin, und dieser versenkte die Scheibe erneut oben links auf der Stockhandseite von Haukeland. Das 2:0 war nicht nur schön herausgespielt, sondern auch ein deutliches Signal: Die Schweiz musste nicht drücken wie wild, sie konnte auch warten und dann präzis zuschlagen.

Norwegen versuchte zwischendurch, das eine oder andere Brotstück ins Schweizer Caquelon zu werfen. Doch wirklich durch kam wenig. Auch als Riat in der 29. Minute wegen Stockschlags auf die Strafbank musste, blieb die Schweiz stabil. Stattdessen folgte in der 32. Minute das 3:0. Sven Jung brachte die Scheibe aufs Tor, vorne war Verkehr, Jäger lenkte ab beziehungsweise störte entscheidend. Es war eines dieser Tore, die in einem Halbfinale besonders wertvoll sind: nicht hübsch aus dem Lehrbuch, aber genau richtig, um einen Gegner weiter in den Käse zu drücken.

Danach rutschte Norwegen zunehmend in die Strafenspirale. Koblar musste wegen hohen Stocks raus, Kroghold wegen Stockschlags. Die Schweiz nutzte das im Powerplay eiskalt. Roman Josi spielte in der 36. Minute den Pass in den Slot, öffnete damit den Raum, Riat zog durch und traf zum 4:0. Aus dem anfänglich zähen Fondue war nun ein Schweizer Menü mit klarer Gangfolge geworden. Malgin nach dem Konter, Jäger mit Verkehr vor dem Tor, Riat im Powerplay – drei verschiedene Tore, drei verschiedene Wege, ein eindeutiges Spielbild.

Auch im Schlussdrittel blieb die Partie nicht frei von Strafen. Solberg kassierte in der 43. Minute zwei Minuten wegen Crosschecks, und nur wenig später traf Hischier im Powerplay zum 5:0. Zuerst verlor er den Puck noch kurz, zog ihn dann aber nach und brachte ihn trotzdem im Tor unter. Es passte zum Abend der Schweizer: Selbst wenn nicht alles sofort sauber lief, blieb die Kontrolle da.

Norwegen hatte im letzten Drittel sogar mehr Abschlüsse als die Schweiz. Nach einer Strafe gegen Biasca wegen Stockschlags kamen die Norweger im Powerplay zu einigen guten Möglichkeiten. Doch Genoni hielt, was zu halten war, und liess keinen Fleck im Caquelon zurück. Während die Schweiz im Schlussabschnitt nur noch fünf Schüsse abgab, brachte Norwegen sieben aufs Tor. Am Resultat änderte das nichts mehr.

In der 57. Minute setzte Rochette den letzten Treffer. Wieder flog die Scheibe oben links hinein, wieder auf die Stockhandseite. Das 6:0 war der endgültige Deckel auf ein Halbfinale, in dem die Schweiz über weite Strecken reifer, schneller und effizienter wirkte. Kurz vor Schluss kassierten Suter und Brandsegg-Nygård noch je zwei Minuten wegen unsportlichen Verhaltens, und nach dem Abpfiff gab es zusätzlich einige Techtelmechtel – auch zwischen den Coaches. Ein kleiner Upps-Moment zum Dessert.

Am grossen Bild änderte das nichts. Die Schweiz gewann 6:0, entschied das Schussverhältnis mit 32:20 für sich und steht zum dritten Mal in drei Jahren im WM-Finale. Für Norwegen blieb am Ende nur noch die Käsekruste am Boden des Caquelons. Die Schweiz hatte längst angerichtet, gerührt, gewürzt – und sich mit sechs Treffern erneut ins Finale gelöffelt.