Gruppe A - Schweiz, USA oder Finnland als Nummer 1?
Diese Gruppe hat auf den ersten Blick eine klare Spitze — und dahinter ein ziemlich interessantes Gedränge. USA, Schweiz und Finnland bilden sportlich die erste Kategorie. Das sind die Teams, die nicht nur ans Viertelfinale denken, sondern deutlich weiter. Die USA bringen Tempo, Talent und Tiefe. Finnland bringt Struktur, Kontrolle und diese typisch finnische Fähigkeit, Spiele langsam zu ersticken. Die Schweiz gehört ebenfalls in diesen Kreis, wird hier aber bewusst nicht im Detail behandelt. Zur Schweizer Nationalmannschaft folgt ein eigener Artikel.
Dahinter beginnt das enge Paket. Deutschland und Lettland sind keine klassischen Aussenseiter mehr. Deutschland kommt mit Qualität, Struktur und grossen Namen wie Grubauer und Seider. Lettland bringt seit der Bronzemedaille im eigenen Land dieses gefährliche Selbstbewusstsein mit: aufsässig, laut, unangenehm und nie ganz aus dem Spiel. Knapp dahinter folgt Österreich, das weniger Glanz, aber viel Körper, Erfahrung und Stolperstein-Potenzial mitbringt.
Am unteren Ende der Gruppe stehen Ungarn und Grossbritannien. Beide Teams werden vermutlich um jeden Punkt kämpfen müssen. Aber genau dort liegt der Reiz: In einer WM-Gruppe reicht manchmal ein guter Torhüterabend, ein effizientes Powerplay oder ein Gegner, der glaubt, die Pflichtaufgabe schon vor dem ersten Bully erledigt zu haben. Wer Grossbritannien oder Ungarn unterschätzt, spielt mit dem Feuer — oder zumindest mit einem sehr unangenehmen Abend auf Kufen.
Diese Vorschau arbeitet sich deshalb bewusst von hinten nach vorne: von den möglichen Abstiegskandidaten über die unangenehmen Herausforderer bis zu den grossen Favoriten. Die Schweiz bleibt ausgeklammert, nicht weil sie unwichtig wäre, sondern weil sie einen eigenen Blick verdient.
Grossbritannien – wenn Effizienz zur Überlebensstrategie wird
Grossbritannien kommt nicht als Team an diese WM, das Gegner über 60 Minuten spielerisch dominieren wird. Dafür fehlt die Tiefe, dafür fehlt im Vergleich zu den Topnationen die individuelle Klasse. Aber genau deshalb ist dieses Team interessant: Die Briten wissen ziemlich genau, wer sie sind. Sie müssen einfach, direkt, körperlich und effizient spielen.
Das Vorbereitungsspiel gegen Italien zeigt ziemlich gut, wie dieser Weg aussehen kann. Grossbritannien gewann am 2. Mai in Nottingham mit 4:1, obwohl Italien deutlich mehr Schüsse aufs Tor brachte. Nach drei Dritteln standen 19:34 Schüsse auf dem Blatt, aber Grossbritannien machte aus seinen Möglichkeiten mehr. Die Tore erzielten Liam Steele, Ben Davies, Brad Jenion und Robert Lachowicz. Robert Dowd führte das Team als Captain, Mark Richardson und Cade Neilson waren Assistenten.
Das ist vermutlich auch der Schlüssel für die WM: Grossbritannien wird nicht viele Spiele haben, in denen es den Gegner einschnürt. Es braucht gute Torhüterleistungen, konsequente Defensivarbeit, wenig Strafen und kalte Nerven in den wenigen Momenten, in denen sich Chancen öffnen. Wenn die Briten in Rückstand geraten und das Spiel machen müssen, wird es schwierig. Wenn sie aber lange im Spiel bleiben, das Tempo brechen und den Gegner nervös machen, können sie unangenehm werden.
Spieler wie Robert Dowd, Cade Neilson, Ollie Betteridge, Brett Perlini oder Josh Waller müssen offensiv tragen. In der Defensive sind Erfahrung und Ordnung entscheidend. Und im Tor braucht Grossbritannien schlicht einen Abend, an dem der Goalie mehr hält, als statistisch erlaubt wäre. Gegen stärkere Gegner ist das kein Luxus. Es ist die Eintrittskarte in ein enges Spiel.
Prognose: Grossbritannien spielt nicht um Schönheitspreise. Es spielt um jeden Meter Eis, jeden Block, jeden Abpraller und jeden Fehler des Gegners. Der Klassenerhalt ist das realistische Ziel. Alles darüber wäre Bonusmaterial für die Inselchronik.

Ungarn – zwischen Kampfkraft, Routine und dünnem Sicherheitsnetz
Ungarn ist eines dieser Teams, bei denen man vor allem eines nicht machen darf: sie unterschätzen. Auf dem Papier gehört Ungarn nicht zu den grossen Namen dieser Gruppe. Aber genau darin liegt die Gefahr. Dieses Team weiss, dass es nicht über individuelle Überlegenheit kommen wird. Es muss über Struktur, Disziplin, harte Arbeit und ein paar sehr erfahrene Spieler funktionieren.
Im Tor stehen mit Bence Bálizs, Levente Hegedüs und Ádám Vay drei Optionen bereit. Vay bringt internationale Erfahrung mit und dürfte, wenn fit und stabil, eine zentrale Rolle spielen. Für Ungarn ist die Torhüterfrage entscheidend. Nicht im Sinne von „solide reicht“, sondern im Sinne von: Der Goalie muss ihnen Spiele offenhalten, die auf dem Papier eigentlich schon wegkippen könnten.
In der Verteidigung fällt auf, dass Ungarn stark auf Spieler aus dem eigenen Umfeld und aus Fehérvár, FTC und DVTK setzt. Bence Stipsicz, Roland Kiss, Zsombor Garát und Tamás Ortenszky müssen dem Team Stabilität geben. Das wird keine Defensive sein, die Gegner spielerisch aus dem Drittel zaubert. Sie muss Wege zustellen, Schüsse blocken, Zweikämpfe überstehen und Fehler minimieren.
Offensiv liegt viel Verantwortung bei den bekannten Namen: István Bartalis, Csanád Erdély, János Hári, Balázs Sebők, Vilmos Galló und István Sofron. Das ist genug Qualität, um gefährlich zu werden, wenn Ungarn ins Rollen kommt. Aber die Frage ist, ob diese Qualität gegen höheres Tempo und stärkeren Druck konstant reicht. Gerade gegen Teams wie Österreich oder Lettland könnten Special Teams und Effizienz entscheidend werden.
Ungarn muss seine Spiele klein halten. Keine wilden offenen Partien, kein Hin und Her, keine Strafzeitenlawine. Je länger ein Spiel eng bleibt, desto unangenehmer wird Ungarn. Wenn sie aber früh zwei Tore kassieren und dem Gegner hinterherlaufen müssen, wird es dünn. Dann fehlt vermutlich die Tiefe, um das Spiel über reine Offensive zurückzuholen.
Prognose: Ungarn ist ein klassischer Überlebenskandidat. Nicht chancenlos, aber abhängig von Torhüterleistung, Disziplin und der Fähigkeit, aus wenigen Chancen viel zu machen. Gegen Grossbritannien sind Punkte Pflicht, gegen Österreich oder Lettland braucht es einen perfekten Abend. Gegen die Grossen geht es darum, nicht unter die Räder zu kommen.

Österreich – der unangenehme Nachbar mit Baustellenhelm
Österreich ist in dieser Gruppe kein klassischer Favorit, aber deutlich mehr als nur ein höflicher Punktelieferant. Dieses Team bringt Grösse, Erfahrung und einige Spieler mit, die auf internationalem Niveau wissen, wo es wehtut. Wenn Österreich seine Struktur findet, kann es Gegner zermürben. Wenn es aber zu oft hinterherlaufen muss, wird die offensive Breite zur Frage.
Im Tor ist David Kickert der klare Stabilitätsanker. 126 Länderspiele sind für Österreich enorm wichtig. Dahinter stehen Atte Tolvanen und Florian Vorauer bereit. Österreich braucht im Tor keine Show, sondern Ruhe. Kickert muss Spiele nicht alleine gewinnen, aber er muss jene Phase halten, in der Österreich unter Druck gerät. Und diese Phase wird kommen.
Die Verteidigung wirkt körperlich stark. Clemens Unterweger, Bernd Wolf, Philipp Wimmer, David Maier, Thimo Nickl und Paul Stapelfeldt bringen Grösse, Reichweite und Erfahrung mit. Das ist kein Verteidigungsblock für Eiskunstlauf mit Puck. Das ist eher Baustellenabsperrung mit Schulterkontakt. Spannend ist auch Gregor Biber, Jahrgang 2006, gross gewachsen und bei Rögle in Schweden unterwegs. Allein wegen des Namens müsste er eigentlich Bauleiter sein, aber sportlich ist er auch interessant.
Vorne hängt vieles an Peter Schneider und Dominic Zwerger. Beide bringen Abschlussqualität, Erfahrung und Spielwitz. Dahinter müssen Benjamin Nissner, Mario Huber, Lucas Thaler, Paul Huber und Leon Wallner liefern. Österreich hat genug Qualität, um gegen direkte Konkurrenten Tore zu machen. Aber die Frage bleibt: Wer produziert, wenn Schneider und Zwerger eng genommen werden?
Österreich wird seine besten Spiele dann haben, wenn es geduldig bleibt. Gute neutrale Zone, harte Zweikämpfe, wenig Geschenke, Special Teams nutzen. Gegen Ungarn und Grossbritannien muss Österreich die Favoritenrolle annehmen. Gegen Lettland kann es sehr unangenehm werden. Gegen die Topteams braucht es Torhüterleistung, Disziplin und ein bisschen alpines Chaos zur richtigen Zeit.
Prognose: Österreich ist kein Team für Glanz und Gloria, aber ein sehr brauchbares Stolperstein-Team. Wer es unterschätzt, bekommt keine Operette, sondern eine Nachtschicht mit Helm und Ellenbogen.

Lettland – aufsässig, bissig und nie ganz aus dem Spiel
Lettland ist eines dieser Teams, bei denen man nie nur auf den Kader schauen darf. Natürlich gibt es Namen, Erfahrung und Qualität. Aber Lettland bringt zusätzlich etwas mit, das man schlecht messen kann: eine nationale Eishockey-Wucht, die seit der Bronzemedaille 2023 noch stärker geworden ist. Dieses Team weiss inzwischen, dass es an einem perfekten Turnier nicht nur mithalten, sondern Geschichte schreiben kann.
Und genau das macht Lettland gefährlich.
Dieses Team spielt selten bequem. Lettland ist aufsässig, hartnäckig, emotional, unangenehm in den Zweikämpfen und meistens sehr gut darin, den Gegner aus dem Rhythmus zu bringen. Wer gegen Lettland spielt, bekommt keine ruhige Schicht. Man bekommt Forechecking, Verkehr vor dem Tor, geblockte Schüsse, viel Laufarbeit und eine Mannschaft, die auch nach Rückständen nicht sofort auseinanderfällt.
Im Tor ist Kristers Gudļevskis der bekannteste Name. Dazu kommen Gustavs Grigals, Mareks Mitens, Bruno Brūveris und der junge Nils Roberts Mauriņš im erweiterten Kreis. Lettland braucht wie immer Stabilität im Tor. Wenn der Goalie heiss läuft, wird aus einem ausgeglichenen Spiel schnell ein lettischer Abend mit Trommeln, Nervenflattern und Kopfschmerzen für den Gegner.
Defensiv bringt Lettland viel Körper und internationale Erfahrung. Kristaps Zīle, Ralfs Freibergs, Oskars Cibuļskis, Kristofers Bindulis, Roberts Mamčics oder Artūrs Andžāns stehen für genau diese unangenehme Mischung aus Härte, Reichweite und Turniererfahrung. Das ist nicht immer elegant. Aber Lettland muss auch nicht elegant sein. Lettland muss Räume schliessen, Schüsse fressen und den Gegner mürbe machen.
Offensiv sind Rūdolfs Balcers, Rihards Bukarts, Mārtiņš Dzierkals, Renārs Krastenbergs, Haralds Egle, Oskars Batņa und Sandis Vilmanis die Namen, auf die man schaut. Balcers bringt individuelle Klasse, Bukarts Kreativität, Dzierkals Tempo und Batņa Wucht. Gerade Batņa ist so ein Spieler, der nicht schön aussehen muss, um wichtig zu sein. Er steht da, wo es weh tut. Genau dort, wo Lettland gerne arbeitet.
Die grosse Stärke Lettlands ist nicht, dass es jedes Team spielerisch dominiert. Die Stärke ist, dass es Spiele emotional und physisch eng machen kann. Lettland zieht Gegner in diese Zone, in der alles ein bisschen chaotischer, lauter und unangenehmer wird. Und plötzlich steht es im dritten Drittel 2:2, die Halle kocht, der Gegner schaut auf die Uhr — und Lettland glaubt noch immer daran.
Prognose: Lettland ist klar über Grossbritannien, Ungarn und Österreich einzuordnen, aber unter den grossen Favoriten. Trotzdem: Wer Lettland nicht ernst nimmt, hat die letzten Jahre verschlafen. Dieses Team ist nicht mehr nur sympathischer Aussenseiter. Es ist ein aufsässiger Prüfstein mit Bronze-Erinnerung im Gepäck.

Deutschland – viel Struktur, NHL-Glanz und noch nicht ganz fertig
Deutschland lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ganz abschliessend einordnen. Der vorliegende Kader stammt aus der vierten Phase der WM-Vorbereitung in Mannheim und zeigt bereits deutlich, wohin die Reise gehen könnte. Mit Philipp Grubauer, Moritz Seider, Leon Gawanke, Alexander Ehl und Marc Michaelis sind mehrere wichtige Namen dazugekommen. Gleichzeitig ist der Kader noch nicht endgültig, da die Spieler der Eisbären Berlin erst nach der Trainingswoche dazustossen.
Gerade deshalb ist Deutschland spannend. Die Konturen sind sichtbar, aber das endgültige Bild ist noch nicht fertig. Schon jetzt ist klar: Mit Grubauer im Tor und Seider in der Verteidigung bekommt dieses Team deutlich mehr Gewicht. Die Frage ist nicht, ob Deutschland Qualität hat. Die Frage ist, wie schnell aus dieser Qualität ein funktionierendes Turnierteam wird.
Im Tor ist Philipp Grubauer natürlich der grosse Name. Wenn er stabil spielt, verändert das die deutsche Statik sofort. Dahinter stehen Maximilian Franzreb, Leon Hungerecker und Niklas Treutle. Gerade für ein Team wie Deutschland ist ein starker Goalie mehr als nur Absicherung. Er gibt der Mannschaft die Möglichkeit, gegen Topteams länger im Spiel zu bleiben und auch Phasen zu überstehen, in denen es hinten brennt.
In der Verteidigung sticht Moritz Seider heraus. Das ist nicht nur ein Name, das ist ein Statement. Mit ihm bekommt Deutschland internationale Topklasse, Physis, Spielaufbau und Präsenz. Dazu kommen Leon Gawanke, Leon Hüttl, Julius Karrer, Fabio Wagner, Marcus Weber, Phillip Sinn, Arkadiusz Dziambor und Jan Luca Sennhenn. Diese Mischung sieht nach einer Defensive aus, die nicht nur verwalten muss, sondern das Spiel aktiv mittragen kann. Deutschland hat hier mehr Qualität als viele Teams der zweiten Reihe.
Vorne ist der Kader interessant, aber noch etwas offener. Dominik Kahun, Marc Michaelis, Dominik Bokk, Alexander Ehl, Daniel Fischbuch, Stefan Loibl, Nicolas Krämmer, Parker Tuomie, Tim Brunnhuber und Alexander Blank bringen Tempo, Erfahrung und offensive Tiefe. Das ist kein Sturm, der nur von einem Superstar lebt. Deutschland kann über mehrere Linien gefährlich werden. Die Frage ist eher, ob daraus im Turnier schnell genug Chemie entsteht.
Deutschlands Stärke liegt in der Mischung aus Struktur, Tempo und internationaler Erfahrung. Dieses Team kann diszipliniert spielen, aber auch Druck machen. Es ist nicht mehr dieses alte Deutschland, das nur verteidigt, betet und hofft, dass der Goalie einen Pakt mit der Fanghand geschlossen hat. Deutschland kann heute Eishockey spielen. Richtig Eishockey.
Der Haken: Die Erwartung ist inzwischen höher. Deutschland ist nicht mehr der nette Aussenseiter, den man für einen mutigen Viertelfinalkampf lobt. Deutschland wird ernst genommen. Und genau das macht es schwieriger. Gegen Österreich, Ungarn und Grossbritannien muss Deutschland liefern. Gegen Lettland darf es sich nicht in ein emotionales Scharmützel ziehen lassen. Gegen Finnland und die USA zeigt sich dann, ob es nur ein gutes Team ist — oder eines mit Medaillenfantasie.
Prognose: Deutschland gehört klar über Lettland, Österreich, Ungarn und Grossbritannien. Mit Grubauer und Seider bekommt das Team zusätzliche Schwere. Für eine Medaille braucht es aber mehr als Namen: Special Teams, defensive Ordnung und schnelle Chemie im Sturm. Wenn das passt, ist Deutschland gefährlich. Wenn nicht, bleibt es bei der bekannten deutschen Turnierfrage: viel Potenzial, aber bitte nicht wieder im falschen Moment die Sicherung rausdrehen.

Finnland – System, Substanz und dieses unangenehme Gefühl von Kontrolle
Finnland ist kein Team, das man lange erklären muss. Finnland ist Finnland. Das klingt banal, ist aber bei Weltmeisterschaften fast schon eine taktische Drohung. Diese Mannschaft kommt selten chaotisch, selten naiv und selten ohne Plan. Selbst wenn nicht jeder NHL-Star dabei ist, bleibt Finnland gefährlich, weil das System oft stärker wirkt als die reine Namensliste.
Und diese Namensliste ist ohnehin stark.
Im Tor stehen mit Justus Annunen, Waltteri Ignatjew und Harri Säteri drei interessante Optionen bereit. Säteri bringt sehr viel internationale Erfahrung und kennt die Nationalmannschaftslogik. Annunen bringt NHL-Format mit. Finnland hat im Tor also nicht einfach eine Notlösung, sondern echte Stabilität. Und bei Finnland heisst das: Wenn der Goalie solide ist, wird es für Gegner sofort mühsam. Denn dann muss man nicht nur den Torhüter schlagen, sondern auch die finnische Struktur davor. Viel Spass dabei.
Die Verteidigung ist ebenfalls stark besetzt. Olli Määttä, Urho Vaakanainen, Mikko Lehtonen, Juuso Riikola, Vili Saarijärvi, Ville Heinola, Mikael Seppälä, Topias Vilén und Miska Kukkonen geben Finnland Tiefe, Erfahrung und Spielintelligenz. Das ist keine Defensive, die nur auf Körper setzt. Finnland verteidigt mit Positionierung, Geduld und dieser nervigen Fähigkeit, dem Gegner langsam die Luft aus dem Spiel zu nehmen. Man glaubt, man habe Platz. Dann ist er weg. Man glaubt, man habe Zeit. Dann steht ein Finne im Passweg.
Vorne wird es richtig spannend. Aleksander Barkov ist natürlich der zentrale Name. Wenn Barkov spielt, verändert sich alles. Er ist nicht nur ein Topstürmer, sondern einer dieser Spieler, die ein ganzes Team erwachsener wirken lassen. Defensiv stark, offensiv klug, am Bullypunkt wichtig, in engen Spielen Gold wert. Dazu kommt Anton Lundell, ebenfalls Florida-geschult, ebenfalls komplett genug, um in beide Richtungen entscheidend zu sein.
Dahinter hat Finnland mit Sakari Manninen, Hannes Björninen, Waltteri Merelä, Saku Mäenalanen, Janne Kuokkanen, Jesse Puljujärvi, Aatu Räty, Lenni Hämeenaho, Patrik Puistola und weiteren Spielern sehr viel Qualität. Besonders interessant aus Schweizer Sicht: Einige Spieler kennen die National League bestens. Manninen, Merelä, Björninen, Mäenalanen, Puhakka und andere bringen nicht nur Talent, sondern Turnierhockey-Erfahrung und europäische Härte mit.
Finnlands Stärke liegt nicht darin, Gegner spektakulär zu überrollen. Finnland gewinnt oft anders. Kontrolliert. Geduldig. Fast schon unhöflich effizient. Sie lassen dich arbeiten, sie lassen dich hoffen, und irgendwann stellst du fest, dass du zwar viel gelaufen bist, aber kaum gefährliche Chancen hattest. Das ist nicht immer schön für neutrale Zuschauer. Aber für Trainer ist es vermutlich eine warme Decke aus Struktur und Verantwortung.
Der Schwachpunkt? Wenn es einen gibt, dann höchstens die Frage, wie viel offensive Explosivität wirklich vorhanden ist, falls Barkov und Lundell eng kontrolliert werden oder falls die Topspieler nicht alle verfügbar sind. Finnland ist selten kopflos, aber manchmal kann es gegen extrem talentierte Gegner einen Tick Kreativität brauchen, wenn das Spiel nicht nach Plan läuft.
Prognose: Finnland gehört klar zur Favoritenzone. Dieses Team ist zu tief, zu diszipliniert und zu erfahren, um es nur als Medaillenkandidat mit Fragezeichen abzutun. Wenn Barkov und Lundell wirklich dabei sind, ist Finnland nicht einfach stark. Dann ist Finnland ein Team, das Spiele nicht nur gewinnen, sondern verwalten kann. Und genau das macht es so gefährlich.

USA – Talent, Tempo und ein Tkachuk als Brandbeschleuniger
Die USA kommen mit einem Kader, der auf den ersten Blick nicht wie eine reine Superstar-Parade wirkt, aber genau deshalb spannend ist. Es ist eine Mischung aus NHL-Erfahrung, Härte, jungen Top-Talenten und diesem typisch amerikanischen Gefühl: Wenn das Team einmal Tempo aufnimmt, wird es für jeden Gegner unangenehm.
Im Tor stehen Joseph Woll, Drew Commesso und Devin Cooley. Woll ist dabei der prominenteste Name und bringt NHL-Format mit. Für die USA ist die Torhüterfrage trotzdem nicht ganz nebensächlich. Dieses Team wird vorne Chancen kreieren, aber gegen Finnland, Deutschland oder Lettland braucht es hinten Stabilität. Wenn der Goalie ruhig bleibt, kann die USA ihr schnelles, direktes Spiel aufziehen. Wenn nicht, kann aus amerikanischem Tempo auch amerikanische Hektik werden.
Die Verteidigung ist solide bis sehr gut besetzt. Justin Faulk bringt Erfahrung, Schuss und Übersicht. Ryan Lindgren steht für Härte und defensive Zuverlässigkeit. Mason Lohrei, Connor Clifton, Will Borgen, Wyatt Kaiser, Declan Carlile und Ryan Ufko geben Tiefe, Mobilität und Körper. Das ist keine Defensive, die sich verstecken muss. Sie kann das Spiel anschieben, aber auch robust verteidigen. Wichtig wird sein, wie schnell diese Gruppe als Einheit funktioniert. Einzelqualität ist vorhanden. Turnierchemie muss entstehen.
Vorne wird es richtig interessant. Matthew Tkachuk ist der grosse Name. Und Tkachuk ist nicht einfach ein Scorer. Er ist Störung, Energie, Provokation, Abschlussqualität und Playoff-Mentalität in einer Person. Wenn er bei dieser WM wirklich im Zentrum steht, verändert er die emotionale Temperatur jedes Spiels. Gegner müssen ihn kontrollieren, ohne sich von ihm ins Theater ziehen zu lassen. Viel Glück dabei.
Dahinter steckt sehr viel junge Qualität: Ryan Leonard, James Hagens, Oliver Moore, Isaac Howard, Max Plante, Danny Nelson und Ryker Lee stehen für die nächste US-Welle. Dazu kommen Spieler wie Matt Coronato, Tommy Novak, Paul Cotter, Sam Lafferty, Mathieu Olivier, Max Sasson und Alex Steeves. Das ist Tempo, Wucht, Skill und Tiefe. Nicht alles ist fertig. Aber sehr vieles ist gefährlich. Der offizielle Preliminary Roster von USA Hockey listet genau diese Mischung aus NHL-Spielern, AHL-Spielern und College-Talenten.
Die Stärke der USA liegt im Tempo und in der Breite. Dieses Team kann Spiele öffnen, Druck machen und Gegner mit Forechecking und direktem Zug zum Tor stressen. Gleichzeitig steckt darin auch das Risiko. Wenn die USA zu wild werden, zu sehr auf Einzelaktionen setzen oder sich in Strafen und Emotionen verlieren, kann ein strukturiertes Team wie Finnland genau darauf warten.
Gegen Grossbritannien, Ungarn und Österreich muss die USA klar liefern. Gegen Lettland braucht es Geduld, weil Lettland unangenehm und laut werden kann. Gegen Deutschland wird es ein echter Qualitätstest. Gegen Finnland geht es dann um die Frage, ob amerikanisches Tempo finnische Kontrolle knacken kann.
Prognose: Die USA gehören in dieser Gruppe klar zur Favoritenzone. Mit Tkachuk, Faulk, Lindgren, Woll und der jungen Offensivwelle ist genug Qualität vorhanden, um um den Gruppensieg und später um eine Medaille zu spielen. Aber die USA müssen das Turnier erwachsen spielen. Talent allein reicht nicht. Besonders nicht gegen Finnland.

Fazit – oben eng, unten gnadenlos
Diese Gruppe hat eine klare Favoritenzone. Die USA, Finnland und die Schweiz werden um die besten Plätze kämpfen. Deutschland und Lettland lauern dahinter und sind gut genug, um die Hierarchie an einem schlechten Abend eines Favoriten durcheinanderzubringen. Österreich ist der klassische Stolperstein: nicht glamourös, aber unangenehm. Ungarn und Grossbritannien müssen realistisch um jeden Punkt und gegen den Abstieg kämpfen.
Entscheidend wird sein, wer seine Pflichtsiege sauber holt. Gerade in solchen Gruppen werden Turniere nicht nur in den grossen Duellen entschieden, sondern auch dort, wo ein Favorit glaubt, er könne ein Spiel im Verwaltungsmodus erledigen. Das geht an Weltmeisterschaften selten gut.
Die Schweiz bekommt ihren eigenen Artikel. Denn wenn man schon über die mögliche Nummer 1 dieser Gruppe spricht, darf man die Schweizer nicht in einem Sammeltext abhandeln. Dafür ist dieses Team inzwischen zu wichtig — und die Fallhöhe zu interessant.
Stand der Kader ist der 9. und 10. Mai 2026. Änderungen an den Kader sind möglich
