Inklusion statt Exklusion an Auffahrt - Wir müssen Christus folgen

Auferstehung und Himmelfahrt Jesus | Quelle: pinterest

Auffahrt kann missverstanden werden. Oder soll ich besser schreiben, er wird missverstanden? Ist dies ein weggehen von Jesus? Ist es sein Entzug von dieser Welt in seine Welt? Oder ist es eine religiöse Flucht aus dieser Welt in der wir nicht alles verstehen? Eine Flucht vor uns selbst zu Gott und seinem Sohn? Ich weis es nicht und kann es nicht wissen.

An Auffahrt schauen viele nach oben, wenden den Blick zum Sohn und hoffen auf seine Vergebung. Wir teilen ihm in unseren Gebeten unsere Sünden mit. Um am nächsten Tag treten wir wieder nach unten. Treten nach denjenigen die Jesus ausdrücklich nicht verdammte. Sondern sie einlud, ihm zu folgen. Nicht um sonst wählte er seine Jünger aus den damals niedrigsten Schichten der Gesellschaft aus. Fischer, Zöllner, Zeloten und Weinbauern. Was machen wir heute? Wir exkludieren Menschen mit Behinderungen. Wir verachten den Asylanten. Geben ihm die Schuld an unserer Situation. Oder der Sozialhilfebezüger wird zum Schmarotzer, der IV Bezüger zum Simulant und der Flüchtling wird sofort als Wirtschaftsflüchtling abgestempelt. Wirklich? Sind das wirklich Christen, die dies sagen?

Liebe Deinen Nächsten | Quelle: Pinterest

Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst - Leben wir danach?

Mit all diesen Annahmen, ob bewusst oder nicht, verfehlen wir den Kern der Botschaft Jesus Christus und seiner Auferstehung. Er hat von Inklusion gesprochen. Von teilhabe am Leben und seinem (Nach-)Folgen. Dazu muss man nicht die ganze Bergpredigt oder alle Evangelien lesen. Es reicht, wenn wir uns seinen Rat hinter die Ohren schreiben: “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.” Erst wenn wir dem nächsten Vergeben, ihn in unserer Umgebung Willkommen heissen und ihn als unseren Bruder ansehen, dann folgen wir Jesus nach. Ist dies nicht die gesamte Botschaft der vier Evangelien?

Daraus folgt für mich als gläubiger Christ die Herausforderung, nicht nur von der Auferstehung Christus zu her denken. Sondern dies als Tatsache zu akzeptieren. Als Aufforderung zu sehen, dass die Auferstehung Christi nicht ein Triumphgeschrei des Herrn war. Sie bedeutet viel mehr.

Wir schauen an Auffahrt nach oben. Dies ist wichtig. Es ist Teil unseres Glaubens. Jesus wird uns erlösen und wir zu ihm Auffahren, wenn unser irdisches Dasein beendet ist. Wir glauben, dass er uns nicht verwirft, egal wie oft wir fehlgeleitet wurden. Wie oft wir verletzt haben oder verletzt wurden. Auch glauben wir daran, dass wir, die wir ausgeschlossen haben, in seiner Gnade nicht auch von ihm ausgeschlossen werden. Sind wir wirklich so selbst sicher dass wir dies Glauben? Wäre es nicht sein Recht, uns zu Verurteilen wie wir verurteilt haben?

Wir verwerfen den IV Bezüger, den Flüchtling, den Sozialhilfebeziehenden. Die Armen oder diejenigen die jeden Tag mit sich selbst, den Behörden, dem Leben zu Kämpfen haben. Weil sie nicht unseren Vorstellungen entsprechen. Wir lassen zu, das Gesetzte erlassen werden die Minderheiten weiter diskriminieren. Wir sprechen von inkludieren, meinen aber in Wahrheit oft exkludieren. Dass wir diesen Menschen keine Teilhabe zukommen lassen. gt viel über unsere Gesellschaft. Weil wir bequem geworden sind. Uns in unserem Leben nie, oder zu selten, mit ihnen auseinandersetzten. Sprach nicht Jesus zur Ehebrecherin: “Dir sei vergeben?”

Menschenwürde war für Jesus kein schönes Wort

Für Jesus war Menschenwürde nicht nur ein Wort. Er lebte dies. Dieser Menschenwürde sollten wir nachleben. Sie ist der Ort, an dem sich zeigt, ob unsere grossen Worte an diesem Tag mehr sind als nur Lippenbekenntnisse. Dort, wo Menschen nicht unserem «normalen» Bild entsprechen, sollten wir genauer hinsehen. Vielleicht kann ein Mensch in unserem Umfeld nicht leistungsfähig sein, so wie wir es sind. Er kann nicht arbeiten, wie wir, kann nicht reibungslos funktionieren. Unser Bild bekommt Risse. Risse, die Jesus nie sah, nicht sehen wollte und konnte. Weil für ihn der Mensch ein Mensch war. Nicht ein auf Arbeit und Leistung getrimmtes Wesen, welches immer mehr leisten muss, als er selbst kann.

Jesus heilte nicht nur die Blutflüssige, den Leprakranken, den Aussätzigen oder die Blinden und Stummen. Nein, er gab ihnen die Würde zurück um zu Leben. An diesem Leben wieder teilzuhaben. Und was machen wir daraus? Wir exkludieren noch härter.

Für Jesus war die Teilhabe am Leben immer einer der Pfeiler seiner Lehre.

Im Folgenden will ich mich auf ein aus meiner Sicht zentrales Problem konzentrieren. Nicht wie die anderen Themen unwichtig wären. Ganz im Gegenteil. Sie sind mir ebenfalls wichtig. Als neurodivergente Person liegt der Umgang mit “Behinderten” Menschen daher auf der Hand. Ich schreibe aus der Sicht eines Betroffenen - und als IV-Bezüger. Weil ich zu dieser Gruppe gehöre, welche unsichtbar leidet. Von der Gesellschaft als “Simulanten, Schmarotzer oder als zu bequem zur Arbeit” gebrandmarkt wird. Da muss ich hier wieder sprechen. Aus meinem Glauben zu Jesus Christus. Er tat dies nicht. Und, mit Verlaub, wer erlaubt uns, das Wort Christen zu gebrauchen, wenn wir uns nicht an Jesus Worte halten?

Teilhabe ist Nächstenliebe, kein Gnadengeld

Die “Behindertenpolitik” muss anders aussehen. Firmen müssen Menschen mit Einschränkungen anstellen, den gleichen Lohn bezahlen, ihnen die Umgebung ermöglichen, welche sie brauchen. Das heisst, die kommenden Aufzählung ist nicht vollständig, folgendes zu ermöglichen:

  • Home Office
  • flexible Arbeitszeiten
  • Hilfe in der entsprechenden Arbeit
  • Rückzugs- oder andere Orte um sich zu erholen und zu regenerieren.

Nicht alle brauchen diese Erleichterungen. Das ist mir klar. Dennoch muss es mitgedacht werden.

Nicht nur bei der Arbeit wäre dies gefordert. Auch im öffentlichen Verkehr, beim Einkaufen, bei der Teilhabe am öffentlichen Leben. Wir müssen weg vom einfachen Gedanken, dass eine “Behinderte Person” nichts leisten kann oder will.

Teilhabe heisst, in diesem Zusammenhang:

  • mit entscheiden
  • mit sprache
  • sichtbar sein
  • Ernst genommen werden.

Das ist nicht eine freundliche Geste oder eine Dekoration in einem Firmenprospekt. Es ist mein demokratisches Recht, dass ich mein Leben so gestalten kann und will wie ich mich befähigt fühle.

Auf den ersten Blick können diese Forderungen nach übertriebenem Aktionismus klingen. Weil ich als IV Bezüger schreibe, dass wir ein demokratisches Recht auf Teilhabe haben. Doch dies ist es nicht. Wieso will mich die Gesellschaft ausschliessen? Wieso will uns die Gesellschaft nicht einschliessen? Was stört diese an uns? Weil wir nicht «leistungsfähig» sind aus ihrer Sicht und es für sie einfacher ist, sich nicht mit uns zu beschäftigen?

Ist dies nicht der falsche Gedanke? Oder anders gefragt, sollen wir einfach auf ein, jetzt überspitz formuliert, «Gnadengeld», genannt IV, ein Leben lang angewiesen sein?

Verstossen wir damit nicht gegen die Worte von Jesus? Er, der nicht fragte ob jemand ein Sünder, ein behinderter oder kranker Mensch ist, sondern zu ihnen ging und sie integrierte? Ihnen Mut zusprach und sagte: “Folgt mir nach?”

Mit uns, nicht über uns

Wir Menschen mit Einschränkungen wollen nicht mit Samthandschuhen angefasst werden. Wir wollen mitgestalten, mitentscheiden, mit bestimmen was in unserem Leben Sinn macht. Deshalb ist die kommende Behindertensession im Oktober 2026 wichtig. Dies ist einer der vielen Gründe, wieso ich mich für diese Session zur Wahl zur Verfügung stelle. Sie ist nicht nur ein Prüfstein für die Demokratie. Es geht dabei um Menschen wie mich, deren Alltag nicht einfach ist. Der Alltag ist geprägt von Verwaltung, Abhängigkeit, Gutachten, Misstrauen, Barrieren und politischen Entscheidungen die über uns gefällt werden. Nicht mit uns. Die Politik ist gefordert und endlich zu hören.

Mit geht es bei diesen Worten nicht um abstrakte Inklusion - sondern um gelebte. Diese wird uns, leider, noch zu oft verwehrt. Das ist nicht fair - das ist Exklusion. Von Links wie Rechts.

Nun will ich die Klammer wieder schliessen. Wieso schreibe ich einen solchen Text zur Auffahrt?

Inklusion ist mehr als nur ein Wort | Quelle: Pinterest

Nach oben blicken, aber nach unten treten? Jesus lebte nicht so

Auffahrt ist nicht dafür vorgesehen, dass wir nur nach oben schauen und unsere Hände Jesus zu wenden. Ja, auch dies ist wichtig. Aber Auffahrt ist nicht ein nach oben Blicken - wenn wir nach unten treten. Christus ist nicht einfach aus dieser Welt geflohen um zu sagen, nun seit ihr wieder Euch selbst überlassen. Nein, er übergab uns Verantwortung. Verantwortung zum Nächsten zu schauen, ihm zu helfen mit seinen Problemen und uns um ihn zu sorgen.

Christus floh nicht aus dieser Welt. So dürfen auch wir nicht aus dieser fliehen. Sonst fliehen wir vor diesem Glauben, welcher uns Jesus vorlebte. Auffahrt heisst nicht, ich fliehe vor dieser Welt, den diese für mich zu Ende ist. Nein, die Erde bleibt der Ort an dem wir seine und unsere Würde, oder besser gesagt, die Würde aller Menschen zu verteidigen haben. Jesus hat nie gesagt, dass dies einfach sein wird. Im Gegenteil. Der Geringste wird der Grösste sein, der Grösste wird der Geringste sein. Es ist Zeit, dass wir darüber nachdenken.

Abschliessend möchte ich einen mir wichtigen Gedanken teilen. Wer vom Himmel redet, an die Auffahrt unseres Herrn glaubt, der muss auch auf der Welt glaubwürdig bleiben. Er sollte sich fragen: “Lebe ich nach den Worten Jesus?”

Dürfen wir von Auferstehung reden, wenn wir den Menschen dennoch abschreiben? Und wer von Auffahrt spricht, darf die Teilhabe nicht auf später verschieben. Sie muss jetzt geschehen.

Wenn wir uns daran halten, Menschen, wie mich, die anders artig sein mögen, zu inkludieren, halten wir uns da nicht an Jesus Leben und seine Taten? Haben wir Menschen mit Einschränkungen nicht das gleiche Recht so zu leben, zu diskutieren, zu politisieren und mitzuentscheiden, was in ihrem Leben geschieht? Oder sind sie Aussätzigen, Kranke, keine Krüppel, welche kein Recht darauf haben? Sind wir in Deinen Augen nicht Menschen wie Du?

Ist dies nicht der Sinn der Auffahrt? Menschen als Menschen zu behandeln?

Kehren wir dorthin zurück, wo uns Christus vor zirka 2000 Jahren zurückgelassen hat. Menschlichkeit leben. Nicht nur in geflügelten Worten der Politik, in Hochglanz Broschüren der Firmen oder in staatlichen Statistiken. Sonden Tag täglich im Sinne der christlichen Nächstenliebe diese auch leben. Dies ist der Sinn des freien Tages. Die Auffahrt unseres Herrn Jesus Christus führt und dies vor Augen. Siehst Du ihn nun auch?